Rolf Kickuth

Warum Komplexität entsteht und zunimmt – Übersicht über neue Konzepte

Ganz ohne „Intelligent Design“

Kompliziert ist nicht komplex. Es kann durchaus auch komplizierte (urspr. Bedeutung etwa: gefaltete) Systeme mit hoher Ordnung geben. In der Technik wird kaum jemand bestreiten, dass schon ein mechanisches Uhrwerk kompliziert sein kann. Ein komplexes (urspr. Bedeutung etwa: umfassendes) System zeichnet sich zwar auch durch eine Vielzahl von Teilen, von Elementen aus. Diese sind anders als Uhren-Zahnräder  zusätzlich durch vielfältige Wechselwirkungen miteinander verbunden. Das Bemerkenswerte: Komplexität nimmt offenbar im Universum, bei  lebenden Systemen und in der Gesellschaft ständig zu. Zudem scheint sich die Geschwindigkeit der Zunahme zu beschleunigen. Aus einem eintönigen Urknall aus purer Energie entstanden vielfältige Sterne, Planeten und Galaxien; aus einzelnen Atomen Moleküle mit tausenden davon; aus einfachen, einzelligen Lebensformen jede Öko-Niesche ausfüllende Lebewesen (Abbildung 1); aus einfachen Grundsätzen des Zusammenlebens („Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“) entstand u.a. die umfassendste Steuer-Gesetzgebung der Welt in Deutschland oder der ausufernde Bürokratismus etwa in der EU. Seit einiger Zeit versucht man, grundlegende Mechanismen dahinter aufzudecken, die sich mathematisch oder physikalisch beschreiben lassen. Dieser Artikel stellt aktuell diskutierte Konzepte vor und sucht Gemeinsamkeiten darin. 

Evolution der Mineralien, dargestellt im American Museum of Natural History, New York (Foto: Wiki / Vicepeters CC BY-4.0).

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